Der Mythos       Der geheimnisvollste Ort Göppingens ist eine sagenumwobene Schatzkammer: das legendäre Turmzimmer von Märklin. Nur wenige können davon berichten, dass es tatsächlich existiert, nur wenigen war es vergönnt, die größten Kostbar- keiten der über 150-jährigen Firmengeschichte in Händen zu halten. Und doch war die Sorge groß, dass die während der Geschäftskrise verpfändeten Modellbahnen, Puppenküchen und Baukästen im Gesamtwert von geschätzten 7 bis 10 Millionen Euro im Ausverkauf landen könnten. Sie gelten nicht nur in der Märklinstadt Göppingen als allgemeines Kulturgut und ein Stück Industriegeschichte. Doch woher rührt der „Mythos Märklin“, der aus Blech Kult macht, Emotionen hervorruft und einer Firma zu Weltruhm verhilft?  Zweifellos ist die technische Raffinesse der Spielwaren eine wesentliche Voraussetzung, wenn schon 1919 Feuerwehrautos mit ihren dampfbetrieben Wasserspritzen Brände in sieben Meter Entfernung löschen können und 1930 wasserdichte U-Boote dank ihres Uhrwerks selbsttätig abtauchen. Die Entwicklung der Produkte zur Perfektion, aber auch die präzise Herstellung durch langjährige Mitarbeiter stehen für eine Qualität, die an das Gütesiegel „Made in Germany“ erinnert. Die Produkte verleiten außerdem zur Erschaffung einer ganz eigenen heilen Miniaturwelt, die später als Kindheitsträume in Erinnerung bleiben - egal ob man mit der zischenden Märklin-Dampfmaschine seinen eigenen Betrieb gründet, auf dem heißen Puppenherd kocht oder mit den Metallbaukästen ein Riesenrad, den Eiffelturm oder die Wuppertaler Schwebebahn errichtet. Ganz zu schweigen von den spektakulären Wagenrennen mit der „Märklin Sprint“, bei denen man im dunkelroten Jaguar zum Champion wurde. Ein weiterer Grund für die Entstehung des  Mythos ist sicherlich in der Kaiser- und Zwischenkriegszeit zu suchen, als sich nur das Großbürgertum den Luxus Märklin erlauben konnte. Die Produkte boten also allein schon deshalb Anlass für besondere Wertschätzung, weil sie meist nur aus der Ferne bewundert wurden. Wer konnte sich schon 1891 die Weltneuheit der uhrwerkbetriebenen ersten Modellbahn leisten oder in den 30er Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts das berühmte „Krokodil“, jene Nachbildung des Schweizer Gebirgszugs, die Flasch- ner der „Manufaktur Märklin“ nach einem vorgegebenem Modell von Hand formten?  Erst mit dem Wirtschaftswunder waren viele Eltern und Großeltern in der Lage, das zu schenken, was ihnen selbst verwehrt blieb. Zu dieser Zeit lag der Schwerpunkt der Produktion längst bei den Modellbahnen, deren Antrieb sich vom Uhrwerk, über den echten Dampf (z. B. mit Spirutus oder Gas) bis hin zum Elektromotor entwickelte (am gängigsten ist die Spurbreite H0) und die den „Mythos Märklin“ bis heute am Leben erhalten. Mit der Übernahme von Trix im Jahre 1997 und der LGB-Gartenbahnen 2007 konnte die Stellung als Marktführer in der Modellbahnbranche weiter ausgebaut werden. Dabei stellte der Göppinger Flaschnermeister und Firmengründer Theodor Friedrich Wilhelm Märklin in seiner kleinen Werkstatt im Zentrum vor allem Puppenhäuser und –küchen her. Zusammen mit seiner Frau Caroline, die den Verkauf des 1859 gegründeten Unternehmens ankurbelte und als erste weibliche Handlungsreisende der Wirtschaftsgeschichte gilt, gehört er zu jenen Göppinger Pionieren, die mit ihren Handwerksbetrieben die Basis für die spätere Industria- lisierung des Filstals mit Firmen von Weltruf legten. Märklin selbst entwickelte sich im neuen Kaiserreich zum Großbetrieb mit einem stattlichen Werk in der Stuttgarter Straße, in dem um die Jahrhundertwende 350 Mitarbeiter eine breite Palette von Spielwaren fertigten. In dieser Zeit begann man offenbar auch, Pro- totypen und Produktionsmuster im „Türmle“ zu archivieren, der Schatzkammer, die den Mythos zu schützen versucht und mittlerweile fast schon so legendär wie die Firma selbst ist.  
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MÄRKLINWELT Unterstütze die ! Mach mit! MÄRKLINWELT Initiative c In den 30er Jahren Modelle in Spur 0 und 1 mit zwei Achsen, ab 1975 als vierachsiger Triebwagen (HO) und in einer Spur-Z-Sonderserie ab 1982 Der Siederohrkessel dient dem Antrieb, der Windkessel befördert das Spritzenwasser unter Volldampf bis zu 7 Meter weit (1909-1922) Die Modell-Hochbahn (1902-1905), hier unter einem Märklin-Flugzeug aus dem Jahr 1939, benötigte 110 Volt und war 2,45 Meter lang
Dem Spiel auf der Spur - Mythos Modelleisenbahn Die Geschichte des Hauses Märklin bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts Herausg. von Götz Adriani. Hantje-Cantz-Verlag, Ostfildern 2003. 320 Seiten.
WILLKOMMEN! KONZEPT STANDORT CHANCEN MYTHOS MÄRKLIN LEBT! MUSEUM HEUTE KONTAKT Die Metallbaukästen (1919-1999) waren auch für Motorenantrieb, Fernsteuerungen und elektrische Experimente geeignet Das "Storchenbein", so genannt wegen der äußeren Erscheinung, war die erste Lokomotive einer genormten Modellbahn (Spur 1) Wie ein Reptil schlängelt sich auch das Modell mit schweren Güterzügen über die Alpenpässe, in den 30er Jahren in den Spuren 1 und 0